MittagTreffen mit…Ana Lichtwer -  Büchertisch Gründerin, Organisationstalent und Bücherwurm

Wie würde ich Ana beschreiben?

Ana gehört zu diesen besonderen Menschen, die nicht nur davon reden die Welt zu einem besseren Ort zu machen, sondern das auch gleich noch sehr, sehr konkret und kontinuierlich tun. Sie hat den Berliner Büchertisch 2003 gegründet und ihn zu einer festen Größe in Berlin aufgebaut, bis sie die Geschäftsleitung 2013 dem Vorstand übergab. Ich fand besonders die Kombination von Entspanntheit, innerer Überzeugung, Ernsthaftigkeit, Kontinuität, Empathie und Professionalität die von ihr ausstrahlt sehr beeindruckend und außergewöhnlich. Was sie sagt und tut hat alles Hand und Fuß. Wenn ich mir jemanden aussuchen könnte, um in Berlin ein Organisation im sozialen Sektor zu Gründen, wäre Ana sicherlich ganz weit oben auf der Liste.

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Bildquelle: Ana privat)

Ort: Kreuzberger Himmel, Kreuzberg

Essen: Salat (Ana), Gnocci (ich) und Kaffee (wir beide)

Welches Projekt würde Ana machen, wenn sie Berliner Bürgermeisterin wäre oder zumindest die Bürgermeisterin nach einem dicken Gefallen bitten könnte?
Ana  würde in Berlin (am liebsten: in ganz Deutschland, immerhin eines der reichsten Länder der Welt!) – die öffentlichen Verkehrsmittel (auch Busse & Bahnen überregional) zur kostenlosen Nutzung überlassen sollte. Zur Not wäre auch so etwas in der Art einer GEZ-Zwangssteuer, vielleicht mit einem Sondertarif für Autofahrer :) – vorstellbar. Reine Rechenangelegenheit und ganz sicher irgendwie finanzierbar. Stellt euch vor, wie viele Leute dann hierher kommen würden! Kostenlos basic-reisen in ganz Deutschland! Das würde schon etwas bewegen und hätte weltweites Werbepotential für ein supercooles Image. Und wieviel Geld das wiederum frei machen würde. Mal unabhängig von den kostspieligen Automaten und Abrechungssystemen, Kopfgeldjägern (Kontolleuren) den Knastkosten etc.

Das Treffen (Alle Links wie immer am Ende)

Mit Sven Lager habe ich mich bei einem meiner MittagTreffen über mögliche Organisationsformen und Schwierigkeiten von sozialen, partizipativen Initiativen unterhalten. Aus diesem Gespräch entstand dann Svens Empfehlung mich mit Ana zu einem MittagTreffen zu verabreden.

So haben Ana und ich uns dann auch über die Organisation von freililliger Mitarbeit unterhalten und darüber, dass Ana nicht mehr alleine eine Organisation gründen möchte bzw. was für eine Organisationsform sie sich dafür vorstellen könnte. Ein wenig haben wir uns auch über Soziokratie und andere offene Organisationsformen ausgetauscht. Da gibt es auf jeden Fall eine Reihe interessanter Optionen.

Wie in flachen, demokratischen Hierarchien sichergestellt wird, dass nicht einfach nur der Lauteste gewinnt und wo auch bei freiwilliger Mitarbeit Leitplanken gezogen werden können und den Mitwirkenden verdiente Anerkennung zukommt. Das sind interessante Themen die in der Praxis wesentlich komplexer als auf Papier sind. Ana war hier eine sehr erfahrene und versierte Expertin, von der ich hier einiges gelernt habe.

Im Prinzip ist der Büchertisch aus der Idee entstanden, dass wir eigentlich zu viele Dinge haben und viel weniger wegschmeißen sollten – und dem Ansatz: Hilfe zur Selbsthilfe. Pragmatisch wie Ana ist, hat sie sich dann nicht von der Größe der Aufgabe einschüchtern lassen, sondern einfach mit nahe liegendem, nämlich gebrauchten Büchern, angefangen und auf dieser Basis den Büchertisch gegründet. Den Büchertisch hat sie sukzessiv mit ihrem Mann, freiwillige MitarbeiterInnen, aus denen bald angestellte MitarbeiterInnen wurden ausgebaut und so eine fest etablierte und starke Platform für weit mehr als nur den Austausch von Büchern aufgebaut. Es entstand die Leseförderung und auch ihre Idee zum Buch “Kreuzberg kocht” welches bereits in unabhängiger Regie zwei Fortsetzungen hat: „Friedrichtshain kocht“ und „Augsburg kocht“ (gerade im entstehen). Wunderschöne Initiativen die gewachsen sind.

Aber Ana hat auch ein Leben außerhalb des Büchertisches. Sie lat länger in West-Afrika gelebt und dort ein Hotel geleitet. Wir haben uns darüber unterhalten wie schwierig, aber auch wertvoll es ist in einer so anderen Kultur zu leben und sich diese Kultur Stück für Stück zu erschließen.

Nachdem sie lange Projekte aufgebaut hat will sie bald abhängig arbeiten um auch wieder die Perspektive eines Angestellten zu gewinnen.

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es sehr lange dauern wird bis sie das nächste eigene Projekt an den Start bringt. Sie hat einfach zu viel Energie, Initiative und Ideen, um nicht wieder etwas zu gründen. Ich fand auch diese Stetigkeit in ihrer Motivation sehr angenehm. Sie ist davon überzeugt, dass man, wenn man etwas ändern will in seinem eigenem Umfeld anfangen sollte und kombiniert das mit ihrer Lust darauf Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass sie ihr Leben selbst in der Hand haben. Diese Grundsätze ziehen sich wie ein roter Faden durch ihre Projekte.

Zu guter Letzt muss ich auch noch sagen, dass Ana eine der best vorbereiteten und professionellsten MittagTreffen Partnerin war, die ich bisher getroffen habe. Sie hat das Blog vorher gelesen, hat sich etwas zur Bürgermeisterfrage überlegt und im Gespräch ist sie immer auf die ursprüngliche Frage zurückgekommen, auch wenn wir zwischendurch ein wenig abgeschweift sind. Außerdem war sie der erste Gast der mich beschenkt hat. Ich habe “Kreuzberg kocht” von ihr bekommen und auch das Buch “Geschwister erleben”, eine sehr interessante Textsammlung von der Gemeinschaft in der Naunynstraße, die grundsätzlich nur verschenkt und nicht gekauft werden kann. Vielen Dank Ana! Das sind zwei herrliche Bücher!

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Die gefährliche Halbweisheit die ich mir nach diesem Treffen aufgeschrieben habe:

“In Ruhe ohne Ziel oder Fokus liegt allerhöchstens Entspannung aber keine Kraft, Pause machen kann schließlich jeder. In fokussierter Ruhe die ihr Ziel nicht vergisst, liegt hingegen unheimlich viel Kraft, diese Ruhe verlangt aber auch wesentlich mehr Selbstdisziplin…“

Link

http://artstifter.de/artstifter/team/

https://www.facebook.com/ana.lichtwer

http://buechertisch.org/uber-uns/wer-sind-wir/

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